Sustainability-Projekt

2014/95/EU – Can accountants save the world?

Koordination:
FH Prof. Mag. Monika Kovarova-Simecek
Tatjana Aubram, MA

Wissenschaftliche Leitung:
Mag. Josef Baumüller

Künstlerische Leitung:
Johanna Tschautscher

Im Rahmen dieses studentischen Projektes gehen wir grundlegenden Fragestellungen aus dem Themenbereich der „Nichtfinanziellen Berichterstattungspflicht“ / EU-Richtlinie 2014/95/EU nach, die in Österreich durch das NaDiVeG 2016 umgesetzt wurde. Wir untersuchen, welchen Beitrag Berichterstatter und Prüfer aus den betroffenen Unternehmen zu Nachhaltigkeit, Menschenrechten und Zukunftsfähigkeit der Ökonomie leisten können, wenn gegebenes Recht eingehalten wird.

Wir als Initiatoren dieses Projektes betrachten die Richtlinie 2014/95/EU als umfassende, zukunftsfähige Leitlinie für Großkonzerne und Unternehmen, deren Bilanzsummen teils jene von Staaten übersteigen und deren Verantwortung daher für die globale Zukunft von großer Bedeutung ist. Es ist gegenwärtig einhelliger Tenor, dass die Nachhaltigkeitskrise ein Umdenken erfordert – und Umdenken erfordert wiederum ein Bewusstsein für die Folgen unseres Tuns. Instrumente wie die nichtfinanzielle Berichterstattung gemäß NaDiVeG wollen das erreichen, indem sie diese Auswirkungen transparent machen; und studentische Projekte wie dieses können und sollen einen Beitrag dazu leisten, dass all dies gelingt.

Durch die Einbindung von Studierenden in diese Fragestellung schafft dieses Projekt genau bei jener Bevölkerungsgruppe Bewusstsein für Richtlinien, Gesetze und Zukunftsfähigkeit, die von der konkreten Einhaltung dieses Leitfadens besonders betroffen ist. Die kreative, sachliche, junge und neue Herangehensweise an Financial Reporting wird geschult, herausgefordert und konkretisiert.

Im Sommersemester 2020 waren Studierende aus dem 4. Semester des Master Studiengangs Wirtschafts- und Finanzkommunikation im Rahmen der Lehrveranstaltung “Praxislabor” in das Projekt eingebunden und beschäftigten sich mit folgenden Themen:


Eva Milgotin (Fotocredits: Felipe Kolm)
Eva Milgotin (Fotocredits: Felipe Kolm)

Nachhaltigikeit: Woher? Wohin?

Nachhaltigkeit ist mittlerweile in aller Munde – v.a. bei den sogenannten “Millenials” der Generation “Y” hat dieses Thema einen besonders hohen Stellenwert. In den kommenden Jahren löst diese Generation nicht nur die Manager von heute ab, sondern wird auch den Kapitalmarkt maßgeblich beeinflussen – sei es auf beruflichen oder privaten Wegen. Darauf sollten oder sogar müssen sich Unternehmen zukünftig einstellen. Dabei stellt sich jedoch die Frage, ob sich die “Millenials” ihrem Einflusspotential bewusst sind. Ich befragte daher Studierende der FH St. Pölten, wie stark das Wissen über Nachhaltigkeit und die Gesetzeslage sowie das Bewusstsein über ihre Einflussmöglichkeiten ausgeprägt sind. Ich wollte allerdings nicht nur Fragen aufwerfen, sondern auch konkrete Informationen einholen, und interviewte deshalb eine Expertin und einen Experten dazu. Sabine Schellander, Sustainability Managerin und jahrelang tätig in Sachen soziale Innovationen, erklärte u. a., wie Nachhaltigkeitsberichte geplant und geprüft werden. Armand Colard erzählte, was hinter dem Kürzel ESG steckt und wie wir Informationen über Unternehmen effektiv nutzen können.

Viktoria Scheiböck (Fotocredits: privat)
Viktoria Scheiböck (Fotocredits: privat)

Nachhaltigkeit: Regulatorien in der EU, Sustainable Finance

Nachhaltigkeit ist wieder ein Trend-Thema. Gerade jetzt sieht man, dass es funktionieren kann. In Venedig kehren die Delfine in die Buchten zurück. Man läuft nicht wegen jeder Kleinigkeit in den nächsten Supermarkt. Es wird wieder verstärkt auf regionales und saisonales Einkaufen gesetzt. Da stellt sich die Frage, welchen Beitrag leistet die Europäische Union zu einer nachhaltigen Wirtschaft? Um diese zu beantworten habe ich die Vorgeschichte zur Richtlinie 2014/95/EU erforscht. Zusätzlich habe ich noch ein kurzes schriftliches Interview mit Frau Dr. Ulrike Vavrik geführt. Ursula Vavrik ist Expertin auf dem Gebiet der internationalen und europäischen Politik, insbesondere in den Bereichen Umwelt, Entwicklung und nachhaltige Entwicklung. Sie hat für Institutionen wie die UNO, die OECD oder die Europäische Kommission, sowie auch im BMEIA gearbeitet. Aufgrund ihrer Expertise, vor allem auch im EU Kontext, befasste sie sich auch mit der gegenständlichen Richtlinie der EU Kommission.

Kathrin Daxböck (Fotocredits: FH St. Pölten)
Kathrin Daxböck (Fotocredits: FH St. Pölten)

Die Rolle der Rechnungslegung für die Nachhaltigkeit

Mein Schwerpunktthema handelt von den Hintergründen der Richtlinie 2014/95/EU. Die beiden Fragen, die hierbei im Zentrum stehen, sind: (1) Welchen Beitrag kann Rechnungslegung zu einem nachhaltigen Wandel leisten? Und: (2) Was waren die Erwartungen und Forderungen an die Entstehung der Richtlinie?

Um die Fragestellungen ausreichend beantworten zu können, haben mir zwei Mitarbeiterinnen der AK Input geliefert und ihre Sichtweise erklärt. Stark zum Vorschein kam dabei eine Unzufriedenheit mit der momentanen Umsetzung: Aus ihrer Sicht gibt es noch einiges an Aufholbedarf. Diesbezüglich wurden auch einige Ideen geliefert, wie die Richtlinie für unsere Zukunft verbessert werden kann.

Julia Kindermann (Fotocredits: Gabriele Lackner-Strauss - Studio für Photographie)
Julia Kindermann (Fotocredits: Gabriele Lackner-Strauss – Studio für Photographie)

Inhalte der nichtfinanziellen Berichtspflichten in der EU

In meinem Beitrag habe ich die Inhalte des Gesetzestextes zum NaDiVeG erläutert. Folgende Themen habe ich in diesem Zusammenhang herausgearbeitet: Welche Unternehmen fallen unter die Berichtspflicht zur Erstellung einer nichtfinanziellen Erklärung? Über welche Inhalte sollen Unternehmen berichten und wie werden in der Praxis relevante Inhalte festgelegt? Gibt es gesetzliche Rahmenwerke und welche Ausnahmen für die nichtfinanzielle Erklärung gibt es? Wie werden nichtfinanzielle Erklärung überprüft und was sind die aktuellen Entwicklungen zu diesem Thema?

Madeleine Serlath (Fotocredits: Madeleine Serlath)
Madeleine Serlath (Fotocredits: Madeleine Serlath)

Der harte Weg der nichtfinanziellen Berichterstattung für österreichische Unternehmen

Mit der Verpflichtung zur nichtfinanziellen Berichterstattung kam auf viele Unternehmen eine Welle an neuen Herausforderungen zu. Manche von ihnen hatten bereits Erfahrung mit nichtfinanziellen Kennzahlen, andere mussten sich ganz neu mit diesem Thema und vor allem dessen Richtlinien auseinandersetzen. Jedenfalls bedeutet es für die CSR-Teams, wiederkehrende oder aber auch immer wieder ganz neue Herausforderungen zu meistern. Für meinen Beitrag habe ich betroffene Unternehmen gefragt, mit welchen Aufgaben sie konfrontiert sind und was für sie die größten Hindernisse darstellen. Die Interviews haben gezeigt, dass nicht nur die Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen, die Zieldefinierung, sondern vor allem auch das Datenmanagement viel Zeit an Abstimmung benötigt. Das ist aber nur ein Auszug der vielen Herausforderungen, welchen sich das CSR-Team stellen muss. Fest steht: Unternehmen können sich nicht mehr nur auf ihren wirtschaftlichen Erfolg verlassen, sondern müssen auch ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen, um wirklich erfolgreich zu sein.

Lena Grießer (Fotocredits: privat)
Lena Grießer (Fotocredits: privat)

Die Umsetzung der nichtfinanziellen Berichterstattung

Im Rahmen meines Schwerpunktes werden die Schwachpunkte des Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz beleuchtet. Es geht darum, konstruktiv-kritische Stimmen zu den Schwierigkeiten und Spannungsfeldern zu Wort kommen zu lassen. Nach einer kurzen Zusammenfassung, worum es sich beim NaDiVeG handelt und wer davon betroffen ist, liegt der Schwerpunkt auf den Kritikpunkten. Im Interview gibt Mag. Josef Baumüller den HörerInnen einen Einblick in die Probleme, die sich durch die Umsetzung der EU-Richtlinie in das österreichische NaDiVeG ergeben. Der an unterschiedlichen Hochschulen tätige Lektor befasst sich bereits seit einigen Jahren aus wissenschaftlicher Sicht mit dem Thema.

Uljana Figura (Fotocredits: privat)
Uljana Figura (Fotocredits: privat)

Ausblick – was ist zu tun?

Bei den bisherigen Beiträgen lässt sich bereits herauslesen: Die Absichten der EU-Richtlinie sind gut gemeint und ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, allerdings wird die Umsetzung in Österreich von mehreren Seiten kritisiert bzw. lässt sie einige Wünsche offen. Das bestätigte auch mein Interviewpartner Alexander Osojnik, Research Analyst bei der Erste Asset Management. Er wünscht sich beispielsweise eine Standardisiserung der nichtfinanziellen Berichterstattung für eine bessere Vergleichbarkeit. Die geplante Überarbeitung der Richtlinie Ende 2020 durch die Europäische Kommission lässt auf eine entsprechende Verbesserung hoffen.



Interesse an der Wirtschafts- und Finanzwelt geweckt?

Der Master Studiengang Wirtschafts- und Finanzkommunikation vermittelt durch praxisnahe Aus- und Weiterbildung Kommunikations-, Wirtschafts- und digitale Kompetenzen für die Karriere in der Finanzkommunikation. Mehr Infos zum Studiengang finden Sie hier, bei Fragen wenden Sie sich an Monika Kovarova-Simecek (Studiengangsleiterin).


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