Der digitale Kapitalmarkt

Ein Beitrag von Tamara Kirner

Sie ist das Schreckgespenst und gleichzeitig der große Hoffnungsträger der modernen Geschäftswelt: Die Digitalisierung. Sie bietet großes Potenzial, fordert allerdings auch entsprechende Entwicklungsbereitschaft. Wie also geht der Kapitalmarkt mit Digitalisierung um? Diese und weitere Fragen versuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Panels „Der digitale Kapitalmarkt“ bei der CIRA Jahreskonferenz 2019 zu beantworten.

Die Digitalisierung bietet besonders im Bereich der Finanzkommunikation bereits jetzt Tools und Möglichkeiten, mit denen vielfach Prozesse erleichtert und Arbeitsfelder verändert werden können. So ermöglicht es zum Beispiel das Dateiformat XBRL (Extensible Business Reporting Language). Finanzdaten in einer strukturierten Form zu veröffentlichen. Diese „Sprache“ dient dazu Berichte von Unternehmen – wie zum Beispiel den Jahresabschluss – elektronisch zu standardisieren und sie so für Maschinen lesbar und vergleichbar zu machen. Beides sind unverzichtbare Voraussetzungen, um die darin enthaltenen Daten digital nutzen zu können. Bisher scheinen Unternehmen XBRL nur zögerlich nutzen zu wollen. Sie begnügen sich derzeit großteils damit, ihre Geschäftsberichte im PDF-Format auf ihre Website zu stellen und sich dann des digitalen Fortschrittes zu rühmen. Ob man damit aber noch jemanden – besonders die jüngere Generation von Finanzexpertinnen und Experten – hinter dem Ofen hervorholt, ist fraglich.

„Alle sind von der Digitalisierung begeistert, alle haben die Vorteile erkannt und möchten diese auch nutzen. Gleichzeitig sind aber nur wenige bereit, dafür selbst etwas zu tun. Aber das ist ungefähr so, als wenn wir uns alle darüber einig sind, dass Elektrizität etwas Tolles ist. Alle wollen Licht und dann kommt es zu dem Punkt, wo es heißt, und jetzt müsst ihr Kabel legen und Steckdosen montieren und man sagt darauf: Aha, das wollen wir aber nicht! Und an genau diesem Punkt befinden wir uns gerade.“ FH-Prof. Mag. Monika Kovarova-Simecek über den widersprüchlichen Umgang mit Digitalisierung in Unternehmen.

Wie sehr standardisierte und vergleichbaren Daten über Gewinne oder Verluste entscheiden können, zeigt sich deutlich an der Verarbeitungsgeschwindigkeit bei Finanzberichterstattern wie Bloomberg. Sendet ein Unternehmen eine börsenrelevante Adhoc-Meldung als Fließtext aus, durchkämmen die Algorithmen und Finanzanalysten von Bloomberg den Text nach den relevanten Zahlen. Das kann mehrere Minuten dauern. Erhalten die Akteure jedoch strukturierte und standardisierte Datensätze reduziert sich die Analysezeit auf wenige Sekunden.

Digitalisierung verändert Kommunikation

Generell wird die Digitalisierung die Art verändern, mit der Unternehmen mit ihren Zielgruppen kommunizieren. Besonders das Corporate Reporting wird davon beeinflusst werden. Immer neue Tools und Techniken ermöglichen ein schnelleres und effizienteres Erstellen von Geschäftsberichten. Werden dadurch nicht Jobs gefährdet, mögen sich jetzt manche fragen? Keinesfalls! Werden sich die Anforderungen an den Investor Relations Experten verändern? Unbestreitbar!

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz werden die Kommunikationsarbeit im Finanzsektor nicht verdrängen aber ihre Aufgaben verschieben. Daten sammeln, Zahlen aufbereiten und alles in Geschäftsberichte einlesen wird in Zukunft der Computer erledigen. Die Aufgabe der Investor Relations wird es aber in Zukunft sein diese Zahlen kreativ zu gestalten und vor allem angepasst an die jeweilige Zielgruppe zu vermitteln.

Die heutige Generation hat andere Ansprüche an die Art wie mit ihr kommuniziert wird. Sie will nicht nur rezipieren, sie will aktiv teilnehmen. Will gefragt werden. Die Stichwörter „Usability“ und „interaktive Benutzeroberflächen“ sollten hier ganz klar in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken, denn es zählt nicht länger ausschließlich der Inhalt. Auch die Kanäle werden zunehmend relevanter, um den Bedürfnissen einer neuen Generation von Finanzexpertinnen und Experten sowie Investorinnen und Investoren gerecht zu werden.


Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung “Corporate Communications” des Master Studiengangs Wirtschafts- und Finanzkommunikation an der FH St. Pölten, in der die Studierenden gemeinsam die CIRA-Jahreskonferenz 2019 besuchten.

Der Master Studiengang Wirtschafts- und Finanzkommunikation vermittelt durch praxisnahe Aus- und Weiterbildung wirtschaftliche und digitale Fähigkeiten als Grundlage für Karriere in der Finanzkommunikation. Mehr Infos zum Studiengang finden Sie hier, bei Fragen wenden Sie sich an Monika Kovarova-Simecek (Studiengangsleiterin).

Fotocredits: Monika Kovarova-Simecek

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