wikifolio #freiemarktwirtschaftrules

Ein Beitrag von Eva Milgotin

Grün, innovativ, heimisch sind die Attribute, die FinanzexpertInnen mit dem immer noch als Startup geltenden Online-Only-Finanzdienstleister assoziieren. Vor allem bei jungen KleinanlegerInnen soll das Unternehmen beliebt sein und eine Alternative zu antiquaren Finanzinstituten bieten. Ein kurzer investigativer Report klärt auf, was hinter der hippen Marke steckt.

wiki-Was?

Das Konzept des Unternehmens besteht aus drei Teilen. Zum einen stellt wikifolio eine Informationsplattform zur Verfügung, auf welcher sich InvestmentinteressentInnen über mögliche Anlagestrategien informieren können. Zum anderen bietet dieselbe Plattform die Möglichkeit für TraderInnen, ihre Investmentstrategien zu veröffentlichen, zu promoten und zu guter Letzt auch zu verkaufen. Spätestens seit der 2011 erfolgten Kooperationsvereinbarung mit dem Düsseldorfer Handelspartner Lang & Schwarz ist es InvestorInnen nämlich auch möglich, Investmentstrategien nicht nur zu beobachten, sondern auch in Form von Zertifikaten tatsächlich als Investitionsinstrument zu erschwingen. In vielerlei Hinsicht agiert das Unternehmen ähnlich wie eine klassische Social Media Plattform, mit Ausnahme der Tatsache, dass Sie sich nicht durch Werbung, sondern durch Vermittlungsprovisionen finanziert.

wiki-Wie?

2008, im Auge des Orkans der Finanzkrise, von Andres Kern gegründet, lebt die Legende über das innovativste österreichische Fintech auf allen erdenklichen Medienkanälen auf. Schlagzeilen wie „Chef trägt Bart bis wir eine Milliarde wert sind“ unterstützen das rebellische Image der Disruptor. Vor allem auf der Homepage des quasi Jungunternehmens wird die Entstehungsgeschichte prominent für ihre Zielgruppe aufbereitet. Kern habe nach einem enttäuschenden Besuch bei seinem Bankberater realisiert, dass die ihm unterbreitete Anlageempfehlung ein Verlustgeschäft darstellen würde und hat daher die beratungsunabhängige Alternative wikifolio ins Leben gerufen. „In einer perfekten Finanzwelt können alle Menschen ihr Geld gewinnbringend anlegen und genießen freien Zugang zu erfolgreichen Handelsideen“, heißt es auf der Unternehmensseite.

wiki-Wer?

Eine flächendeckende Werbekampagne aus dem Jahre 2016 richtet sich laut eigenen Angaben an „wirtschaftsaffine Selbstentscheider, die dem Thema ‚Aktien‘ aufgeschlossen gegenüberstehen, aber bisher noch nicht selbst aktiv geworden sind.“ Zugangsbeschränkungen für Personen, die ihre Anlagestrategien veröffentlichen, gibt es keine. Über die Qualifikationen der TraderInnen sollen sich InteressentInnen durch das Beobachten der Performance der Portfolios selbst ein Bild machen.

wiki-Wieso-eigentlich-nicht?

Während die Idee den Kapitalmarkt für mehr InvestorInnen zugänglich zu machen eine lobenswerte ist, müssen die Konsequenzen dieser Bemühungen kritisch betrachtet werden. Sollte der Erfolg des Unternehmens dazu führen, dass der Handel mit Wertpapieren auch zunehmend von Personen ohne entsprechendes Knowhow betrieben wird, so könnte dies zu Marktanomalien und Wirtschaftsschwankungen führen.

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