Studierende des Master Studiengangs Wirtschafts- und Finanzkommunikation bei der HV der Österreichischen Post AG – Nachbericht von Ann-Kristin Voss

Beim Betreten der Halle F der Stadthalle Wien am 11. April 2019 hätte man angesichts der rot gepolsterten, u-förmig angeordneten Sessel mit Blick zur Bühne auf den ersten Blick meinen können, in einem Theater angekommen zu sein. An diesem Tag erwartete die Besucherinnen und Besucher jedoch keine künstlerische Vorstellung – stattdessen sollte ab 10 Uhr die neunte ordentliche Hauptversammlung der Österreichische Post AG in dem großzügigen Saal abgehalten werden. Die Aktionärsmappen, welche allen Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Beginn der Sitzung ausgehändigt wurden, gaben bereits einen hilfreichen Überblick über die sieben Tagesordnungspunkte sowie die jeweiligen Beschlussvorschläge und informierten zudem über den allgemeinen Ablauf der Hauptversammlung. Während die insgesamt 927 anwesenden Aktionäre und Aktionärinnen sowie die Aktionärsvertreter/-innen vor Beginn der Sitzung mit einer nummerierten Stimmkarte ausgestattet wurden, erhielten wir als Besucher jeweils eine Karte, die uns als Studentinnen auswies und gleichzeitig als ‚Eintritts- und Austrittskarte‘ für den Saal der Hauptversammlung diente: Mit einem Scan-Gerät wurden die aufgedruckten Barcodes bei jedem Betreten und Verlassen des Saals von helfenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schnell und mühelos erfasst, sodass im dahinterstehenden EDV-System jederzeit Informationen darüber vorlagen, wie viele Stimmen sich im Saal befanden.

Pünktlich um 10 Uhr wurde die Hauptversammlung eröffnet: Auf der insgesamt eher schlicht gehaltenen Bühne hatten sich bereits die drei Vorstandsmitglieder, die Aufsichtsratsvorsitzende und ein Notar, dem die Verantwortung für das Protokoll oblag, auf ihre Plätze begeben. In seiner detaillierten Berichterstattung zeichnete der Vorstand selbstbewusst ein überwiegend positives Bild, nicht nur von der zurückliegenden Entwicklung des Unternehmens im Geschäftsjahr 2018, sondern auch mit Blick auf die Zukunft der Österreichische Post AG. Einige Botschaften zogen sich wie ein roter Faden durch die Berichterstattung der Vorstandsmitglieder und wurden mit entsprechenden Zahlen untermauert: Europäische Postgesellschaften sahen sich im vergangenen Geschäftsjahr insgesamt mit einem herausfordernden Marktumfeld konfrontiert. Besonders die Briefdienstleistungen, welche nach wie vor das Kerngeschäft der Österreichische Post AG ausmachen, geraten bereits seit einigen Jahren aufgrund der zunehmend elektronisch basierten Kommunikation unter Druck. Dennoch, so wurde mehrfach betont, steht die Österreichische Post AG im internationalen Vergleich gut da und wuchs im vergangenen Jahr stärker als der Markt. Besonders hervorgehoben wurde wiederholt das florierende Paketgeschäft, das den Rückgang des Briefvolumens kompensieren konnte – eine Entwicklung, die vor allem durch das Wachstum des E-Commerce getrieben wird. Neben den finanziellen Aspekten wurde das Augenmerk auch auf nicht-finanzielle Themen gerichtet. So fielen unter anderem die Stichworte ‚CO2-Neutralität‘ und ‚Gender Balance‘ und auch das hochaktuelle Thema der künstlichen Intelligenz und Automatisierung, welche zukünftig beispielsweise bei Entladungsprozessen oder gar bei der Zustellung von Sendungen zum Tragen kommen könnten, wurde aufgegriffen. Knapp zwei Stunden dauerte die Berichterstattung des Vorstands insgesamt. Wer in der Zwischenzeit eine Stärkung am Buffet zu sich nehmen wollte, hatte dank einer Übertragung der Hauptversammlung in das danebenliegende Foyer die Möglichkeit, das Geschehen nebenbei weiter zu verfolgen. Zusätzlich wurde der gesamte Bericht des Vorstands sowie die anschließende Verlesung der Beschlussvorschläge aufgezeichnet und auf der Internetseite der Österreichische Post AG veröffentlicht. Für diejenigen, die die Informationen lieber Schwarz auf Weiß in den Händen halten wollten, lag an einem Informationsstand im Eingangsbereich außerdem die gesamte Berichterstattung zum Geschäftsjahr 2018 kompakt aufbereitet, in gedruckter Ausführung bereit.

Auf die Verlesung sämtlicher Beschlussvorschläge durch die Aufsichtsratsvorsitzende folgte die Generaldebatte, in deren Rahmen die Aktionäre und Aktionärinnen ihr Auskunftsrecht wahrnehmen können, indem sie Fragen zu grundsätzlich allen Punkten der Tagesordnung stellen dürfen. Wer sich zu Wort melden wollte, musste im Voraus ein entsprechendes Formular ausfüllen und an den Saaldienst übergeben. Während ein Großteil der Fragen verlesen wurde, entschieden sich wiederum einige Aktionäre dazu, selbst ans Rednerpult zu treten und das Wort direkt an den Vorstand zu richten. Mit der Unterstützung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Hintergrund, welche dem Vorstand über Bildschirme die notwendigen Informationen zuspielten, konnten diese auch kritische Fragen – beispielsweise zum Thema Datenschutz – souverän beantworten. Nachdem sämtliche Fragen abgehandelt waren, wurde über alle Tagesordnungspunkte abgestimmt. Bei jedem Abstimmungsvorgang wurden dabei die Nein-Stimmen und die Stimmenthaltungen ermittelt, indem die jeweiligen Aktionärinnen bzw. Aktionäre ihre Stimmkarten hoben. Durch die Eingabe der entsprechenden Stimmkartennummern in das EDV-System konnte die entsprechende Aktienzahl zügig erfasst werden. Die Ja-Stimmen wurden schließlich einfach anhand des Subtraktionsverfahrens bestimmt. Nach dem Ende der Hauptversammlung wurden sämtliche Abstimmungsergebnisse der Hauptversammlung auf der Internetseite der Gesellschaft veröffentlicht.

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