Aufklärung oder Verklärung? Auf den historischen Spuren des Finanzjournalismus

Wurde der erste Schock von Wirtschafts- und Finanzkrisen überwunden, fängt die Suche nach den Verantwortlichen an. Dabei fällt der kritische Blick immer wieder auf den Finanzjournalismus. Hätten Finanzjournalisten die Krise verhindern können – oder gar sollen? Vielleicht fällt es leichter die Frage nach der Rolle des Finanzjournalismus zu beantworten, wenn man seine Geschichte kennt.

von Monika Kovarova-Simecek

Der Anteil an Finanznachrichten in der aktuellen Berichterstattung ist in den letzten 30 Jahren deutlich gestiegen, wobei die Grenze zwischen Wirtschafts- und Finanzjournalismus aufgrund der engen Verknüpfung von realen Märkten und Finanzmärkten immer schwieriger zu ziehen ist. Dass Börsenkurse in den Abendhauptnachrichten eines öffentlich-rechtlichen  Senders analysiert und Indexschwankungen kontextualisiert werden, war in den 1980er Jahren fernab der finanzjournalistischen Realität. Finanznachrichten wurden primär in fachspezifischen Printmedien an berufsmäßig interessiertes und weitestgehend fachkundiges Lesepublikum gebracht wie der Financial Times und dem Wall Street Journal oder in manchen wirtschaftsnahen Tageszeitungen. Diese scheinbar verdichtete Entwicklung der letzten Jahrzehnte mag den Eindruck erwecken, dass Finanzjournalismus moderner Ausprägung eine relativ neue journalistische Gattung ist. Die breite Kommunikation von Finanznachrichten und das Bestreben um die Aufklärung des „Mythos Finanzmarkt“ sind tatsächlich eher neu. Die Anfänge des Finanzjournalismus lassen sich aber mehr als 450 Jahre zurückverfolgen. Der nachfolgende Beitrag zeichnet den Weg von den listini dei prezzi des 14. Jh. bis zur Gründung des Wall Street Journal Ende des 19. Jh. und fragt, welche gesellschaftliche Legitimation und Aufgabe der Finanzjournalismus heute noch hat. Lesen Sie mehr…

Der Beitrag wurde im Mai 2015 in XING-MAGAZIN.AT #29 veröffentlicht.

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